Die Jawline wird weicher, erste Hängebäckchen zeichnen sich ab, der Hals verliert an Spannung. Für viele Patientinnen beginnt genau hier eine Phase, in der eine Straffung gewünscht ist – eine Operation aber noch nicht. Genau in dieser Phase setzt XERF an, eine neue Radiofrequenz-Technologie, die ich seit Kurzem auch in meiner Praxis in München anbiete. Wie viel Veränderung ist ohne Skalpell realistisch – und wo liegen die Grenzen?

Wissenschaft statt Versprechen
Dieser Artikel ordnet Behandlungen medizinisch ein – auf Basis von Wirkprinzip, Datenlage und individueller Indikation, nicht von Trend oder Popularität.
Medizinisch erstellt und geprüft von
Dr. med. Christina Garving
Seit 2019 liegt ihr beruflicher Schwerpunkt in der ästhetischen Medizin. Neben ihrer Praxistätigkeit ist sie in der ärztlichen Fortbildung als Referentin und Trainerin tätig.
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Eine Jawline verliert selten aus einem einzigen Grund an Kontur. Mit den Jahren büßt die Haut selbst an Kollagen und Elastizität ein, wird dünner, weniger widerstandsfähig. Parallel verschieben sich die Fettkompartimente des Gesichts – manche verlieren an Volumen, andere sinken ab. Die Halteligamente, die all das ursprünglich an Ort und Stelle halten, lockern sich. Selbst der Unterkieferknochen verändert im Lauf des Lebens messbar seine Form (Swift et al., 2021).
Besonders sichtbar wird dieses Zusammenspiel im unteren Gesichtsdrittel: Der Übergang zwischen Kinn und Hals verliert an Schärfe, es entstehen die ersten Jowls – umgangssprachlich Hängebäckchen. Hautalterung allein erklärt dieses Bild aber nicht vollständig. Wer eine Behandlung ausschließlich auf die Haut richtet, während Fettgewebe, Bänder und Knochen ebenso beteiligt sind, wird zwangsläufig an eine Grenze stoßen. Das gilt für jede nicht-invasive Methode – auch für XERF.
Nicht-invasive Verfahren können Gewebe nicht chirurgisch neu positionieren – das ist der erste Punkt jeder realistischen Erwartung. Ein Facelift verlagert Haut und tieferliegende Strukturen aktiv. Ein Radiofrequenzgerät kann das selbstverständlich nicht leisten.
Was nicht-invasive Radiofrequenz stattdessen leistet: einen thermischen Reiz setzen, der körpereigene Remodelingprozesse anstößt. Bestehendes Kollagen zieht sich unmittelbar zusammen, neues Kollagen bildet sich in den folgenden Wochen. Zeigt die Haut erst früheste Anzeichen von Erschlaffung, kann das zu einer graduellen, spürbaren Verbesserung von Festigkeit und Kontur beitragen. Bei einer sehr ausgeprägten Erschlaffung reicht dieser Mechanismus allein nicht aus. Diese Unterscheidung gehört an den Anfang jeder ehrlichen Beratung – nicht an ihr Ende.
XERF baut auf monopolarer Radiofrequenz auf – einem Wirkprinzip, das in der ästhetischen Medizin seit rund zwanzig Jahren untersucht wird und auch anderen etablierten Straffungsverfahren zugrunde liegt (Zelickson et al., 2004; El-Domyati et al., 2011). Neu ist die gleichzeitige Nutzung zweier Frequenzen, 6,78 MHz und 2 MHz, in einer einzigen Anwendung.
Was diese Kombination bewirken soll, hat eine Studie auf Basis von Computermodellierung und Gewebehistologie genauer aufgeschlüsselt: Die niedrigere Frequenz erzeugt eine breitere, tiefere Wärmereaktion im Fettgewebe, die höhere konzentriert sich stärker auf bindegewebige Strukturen (Ko et al., 2025). In der näheren Untersuchung führte die kombinierte Anwendung beider Frequenzen zu einer ausgeprägteren Kollagenumgestaltung als die jeweilige Einzelfrequenz – bei kontrolliert niedrigen Oberflächentemperaturen (Hong et al., 2025).
Beide Arbeiten sind Grundlagenforschung und erklären den Wirkmechanismus der kombinierten Radiofrequenz plausibel.
Für das untere Gesichtsdrittel finde ich XERF aus mehreren Gründen interessant. Der Übergang von Kinn zu Jawline und die beginnenden Jowls sind eine typische Zielregion für nicht-invasive Radiofrequenz. Viele Patientinnen wünschen sich hier eine spürbare, aber natürlich wirkende Verbesserung – ohne das Gesicht zu verändern oder zusätzliches Volumen aufzubauen. Das unterscheidet den Ansatz von einer Unterspritzung: XERF baut kein Gewebe auf, sondern verbessert die bestehende Gewebefestigkeit.
Dazu kommt das praktische Behandlungsprofil: kein Nadeleinsatz, für die meisten Patientinnen keine relevante Ausfallzeit, ein in der bisher verfügbaren Studie als eher mild beschriebenes Schmerzempfinden (Hwang, 2025). Gerade für Patientinnen, die eine Behandlung nicht um mehrere Tage Rückzug herum planen wollen oder können, macht das den Unterschied. Was XERF an dieser Stelle ausdrücklich nicht leistet: Hängebäckchen gänzlich zum Verschwinden bringen. Realistisch ist eine graduelle Verbesserung von Gewebefestigkeit und Kontur – bei entsprechend geeigneter Ausgangssituation.
Die Haut am Hals ist dünner als im Gesicht und reagiert entsprechend empfindlicher – auf Alterungsprozesse wie auf Behandlungen gleichermaßen. In Beratungsgesprächen kommt eine Unterscheidung dabei häufig zu kurz: Horizontale Halslinien, oft muskulär oder haltungsbedingt, sind etwas anderes als eine flächige Gewebeerschlaffung durch Elastizitätsverlust. Bei Letzterem – wenn das Halsgewebe erst leichte bis mittlere Laxität zeigt – kann nicht-invasive Radiofrequenz eine sinnvolle Option sein, weil sie denselben Kollagen-Remodeling-Mechanismus anstößt wie im Gesicht. Bei stark ausgeprägter Erschlaffung oder deutlichem Hautüberschuss am Hals stößt das Verfahren an dieselben Grenzen.
Ob sich XERF für jemanden eignet, lässt sich direkt aus dem Wirkprinzip ableiten: Je mehr eine nachlassende Kontur tatsächlich auf Kollagenverlust in Haut und Bindegewebe zurückgeht, desto eher lohnt sich ein thermischer Reiz wie bei XERF. Je mehr dagegen Gewebeüberschuss oder abgesunkenes Volumen die eigentliche Ursache sind, desto weniger können Radiofrequenzbehandlungen und andere nicht-invasive Verfahren daran ändern – so ausgereift die Technologie auch ist.
Bei einer Jawline, die gerade erst an Schärfe verliert, oder ersten, noch zarten Jowls, sehe ich meist einen sinnvollen Ansatzpunkt. Liegt bereits ein deutlicher Hautüberschuss vor, wäre es unredlich, XERF als ausreichende Lösung anzupreisen. Details zu Ablauf und Kosten finden Sie auf unserer Seite zur XERF-Behandlung in München; ob es im individuellen Fall passt, klärt sich am zuverlässigsten im persönlichen Gespräch.
Der zeitliche Verlauf ist plausibel und deckt sich mit dem, was von anderen monopolaren RF-Verfahren (wie z.B. Thermage) bekannt ist: ein sofortiger, meist dezenter Kontraktionseffekt, gefolgt von einer graduellen Verbesserung über Wochen, während neues Kollagen gebildet wird.
Der Hersteller empfiehlt für XERF in der Regel zwei Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen – die bisherige klinische Studie zu XERF arbeitete mit einer einzelnen Behandlung (Hwang, 2025). Wie viele Sitzungen im Einzelfall sinnvoll sind, hängt vom Ausgangsbefund ab und wird im persönlichen Beratungsgespräch festgelegt. Eine pauschale Zahl, die für jede Patientin gilt, gibt es nicht.
XERF arbeitet mit integrierter Kühlung, die das Empfinden während der Behandlung deutlich reduziert – ein Wärme- oder Druckgefühl bleibt dennoch möglich. In der bisher verfügbaren klinischen Studie wurde das Schmerzempfinden der Teilnehmerinnen als mild bis moderat beschrieben (Hwang, 2025).
Nach der Behandlung sind eine vorübergehende Rötung, ein Wärmegefühl oder eine leichte Druckempfindlichkeit möglich. Eine relevante soziale Ausfallzeit ist bei den meisten Patientinnen nicht zu erwarten – alltagstaugliche Aktivitäten sind in der Regel direkt im Anschluss wieder möglich. „In der Regel“ heißt dabei ausdrücklich nicht „garantiert“: Wie die Haut reagiert, ist individuell unterschiedlich.
Diese Frage ist gerade für Patientinnen ab Anfang vierzig relevant, wenn im unteren Gesicht Erschlaffung und unerwünschte Fettansammlung gleichzeitig ein Thema sein können. Die Antwort ist eindeutig: XERF ist nicht als Fettreduktionsverfahren konzipiert oder zugelassen. Der thermische Effekt zielt auf Kollagen- und Elastinstrukturen in Haut und Bindegewebe – nicht auf eine gezielte Reduktion von Fettgewebe.
Gleichzeitig gilt: Der zugrunde liegende Mechanismus (kontrollierte Erwärmung bis in tiefere Gewebeschichten) bedeutet grundsätzlich, dass bei zu hoher Energie, zu großer Eindringtiefe oder bei sehr dünnem Ausgangsgewebe theoretisch auch subkutanes Fettgewebe thermisch beeinflusst werden kann. Die US-amerikanische FDA hat im Oktober 2025 vor genau einer solchen Komplikation – Fettverlust (Lipoatrophie) – gewarnt; diese Warnung bezog sich jedoch ausdrücklich auf Radiofrequenz-Microneedling, also nadelbasierte Verfahren, bei denen Energie direkt subdermal eingebracht wird. XERF ist nicht-invasiv und arbeitet ohne Nadeln über die intakte Hautoberfläche – die Warnung lässt sich nicht unmittelbar auf das Gerät übertragen, und wir tun das hier ausdrücklich nicht. Für nicht-invasive monopolare Radiofrequenz wie XERF ist ein vergleichbar dokumentiertes Fettverlust-Risiko in der Fachliteratur bislang nicht in ähnlichem Umfang beschrieben. Eine seriöse Beratung erklärt diesen Unterschied, statt entweder unbegründet zu entwarnen oder unnötig zu verunsichern.
Alle drei Verfahren zielen auf Hautstraffung, nutzen dafür aber unterschiedliche Energieformen und Wirkebenen. XERF und andere monopolare RF-Systeme erwärmen Gewebe über elektrischen Widerstand. HIFU (fokussierter Ultraschall, bekanntestes Beispiel Ultherapy) bündelt Ultraschallenergie punktuell auf definierte Tiefenpunkte, häufig mit Zielrichtung auf die SMAS-Schicht. RF-Needling wie GENIUS kombiniert feine Mikronadeln mit Radiofrequenz und wirkt dadurch zusätzlich auf Hautoberfläche und -textur, bei kurzer Ausfallzeit. Welches Verfahren im Einzelfall sinnvoller ist, hängt vom individuellen Befund ab und lässt sich am besten im persönlichen Gespräch klären.
Ein deutlicher Hautüberschuss, spürbar abgesunkenes Gewebe oder ein Behandlungswunsch, der eigentlich einem chirurgischen Lifting entspricht – in diesen Fällen lässt sich ausgeprägte Hautlaxität mit nicht-invasiver Radiofrequenz nicht beliebig korrigieren. XERF ersetzt kein Facelift, und keine seriöse Praxis sollte das suggerieren. Welche Kategorie im Einzelfall zutrifft, hängt von individueller Anatomie, Hautqualität und dem Ausmaß der Gewebeveränderung ab. Das lässt sich zuverlässig nur im persönlichen Beratungsgespräch klären.
„Ich habe XERF bewusst in mein Behandlungsspektrum aufgenommen, weil die Technologie eine Möglichkeit bietet, die ich bei vielen Patientinnen mit früher bis mittlerer Gewebelaxität sinnvoll finde: eine Straffung, die ohne Nadeln und ohne Operation auskommt. Mich überzeugt besonders der technische Ansatz – zwei kombinierte Frequenzen, die unterschiedliche Gewebeebenen ansprechen können – auch wenn die klinische Datenlage für XERF selbst noch jung ist. Das bleibt für mich Teil der ehrlichen Beratung.
Eine Haltung ist mir dabei besonders wichtig, in der ästhetischen Medizin insgesamt: Hautstraffung sollte nicht automatisch mit Volumenaufbau verwechselt werden. Gerade im unteren Gesicht kommt es mir auf ein natürliches Ergebnis an – auf eine Verbesserung der Kontur, nicht auf eine Veränderung des Gesichts. XERF sehe ich als sinnvolle Ergänzung zu anderen regenerativen und ästhetischen Verfahren, die wir in der Praxis anbieten, nicht als Ersatz für eine chirurgische Lösung, wenn die Ausgangssituation das erfordert. Genau diese Einordnung – nicht das Versprechen eines perfekten Ergebnisses – ist für mich der Kern einer guten Beratung.
Dieser Journalbeitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Untersuchung oder Behandlung. Ergebnisse ästhetischer Behandlungen können individuell unterschiedlich ausfallen.
Bei beginnender bis moderater Ausprägung kann nicht-invasive Radiofrequenz wie XERF durch Anregung der körpereigenen Kollagenneubildung zu einer graduellen Verbesserung der Gewebefestigkeit beitragen. Bei stärker ausgeprägten Hängebäckchen reicht das allein meist nicht aus.
Die Jawline ist eine typische Zielregion für XERF. Realistisch ist eine graduelle Verbesserung der Kontur und Gewebefestigkeit – kein chirurgisches Lifting-Ergebnis.
Bei beginnender bis moderater Laxität des Halsgewebes kann XERF eine sinnvolle Option sein. Die Haut am Hals ist dünner als im Gesicht, weshalb die Behandlung hier besonders sorgfältig dosiert werden sollte.
Der Hersteller empfiehlt in der Regel zwei Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen. Die für die individuelle Situation passende Anzahl wird im Beratungsgespräch festgelegt.
Erste dezente Effekte können direkt nach der Behandlung sichtbar sein, der Großteil der Verbesserung entwickelt sich graduell über mehrere Wochen bis Monate.
In der Regel keine relevante soziale Ausfallzeit. Vorübergehende Rötung oder ein Wärmegefühl sind möglich.
Nein, XERF ist nicht als Fettreduktionsverfahren konzipiert oder zugelassen. Es zielt auf strukturelle Hautstraffung, nicht auf gezielten Fettabbau.
Nein. Bei ausgeprägter Hautlaxität oder deutlich abgesunkenem Gewebe stößt jede nicht-invasive Methode an ihre Grenzen. XERF ist für beginnende bis moderate Veränderungen gedacht, nicht als Alternative zu einem chirurgischen Facelift.
Quellen & Studien
Die genannten Quellen dienen der wissenschaftlichen Einordnung der in diesem Artikel behandelten Themen. Sie ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.
Interesse an XERF für Jawline, Hängebäckchen oder Hals?
Ob eine nicht-invasive Hautstraffung mit XERF für Sie sinnvoll ist, hängt von Hautqualität, Gewebelaxität und individuellen anatomischen Voraussetzungen ab. In einer persönlichen Beratung kläre ich, ob XERF für Sie infrage kommt – und wo die Grenzen der Behandlung liegen.
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